Angeln an der Jagst

Durch Nordwürttemberg fließt die Jagst. Wer sich näher mit ihr beschäftigt, wird belohnt, denn sie ist ein reiches Barbengewässer. Wie ein Aal windet sich dieser schöne Fluss und hat auch den Hecht- und Salmonidenfischern einiges zu bieten.

Unsere Vorstellung der Jagst beginnt an ihrem Unterlauf bei Crailsheim. Bei der sogenannten Schiedmühle befindet sich einer der beliebtesten Angelplätze der einheimischen Angler. Neulinge werden erst argwöhnisch beäugt, aber wer Angelkameraden ein fröhliches Petri-Heil entgegnet, den akzeptieren die verschlossenen Schwaben schnell. Wer dabei an einen auskunftfreudigen Angler gerät, erfährt dann unter Umständen sogar, dass sich der zwölf Kilometer lange Abschnitt zwischen Schiedmühle und der unteren Angelgrenze beim Wehr an der Heldenmühle hervorragend für die Raubfischangelei eignet. Hechte sind die Hauptbeute, Köderfisch- oder Spinnangelei gelten als ebenbürtig, was die Fangresultate angeht. Als toter Köderfisch kommt am häufigsten ein handlanges Rotauge oder eine Rotfeder an den Haken.
Schwer zu erbeuten sind die fast jährlich einmal eingesetzten Forellen. Die Jagst bietet zahlreiche Nahrungsquellen für die Salmoniden, so dass sie sich nicht sofort auf alles stürzen, was sich bewegt oder was glänzt, sondern vielmehr einen feinen Instinkt für besondere Beutetiere wie Larven und Fliegen entwickeln. Hier sollten Fliegenfischer nach der richtigen Nymphe in ihrer Box suchen.
Zu den weiteren Fischarten zählen Karpfen und Schleie sowie natürlich große Schwärme von Weißfischen. “Anfüttern bringt nur wenig”, behaupten Jagst-Kenner. Denn die Fische würden nahezu ununterbrochen im Fluss umherwandern und sich nicht an feste Standplätze gewöhnen. Andere Jagst-Angler wiederum sind der Meinung, gerade die großen Karpfen und Schleien seien besonders standorttreu und würden als Einzelgänger immer wieder die gleichen Flusspartien abgründeln.
Neben dem Raubfischangeln bietet die Jagst auch dem Ansitzangler erfolgversprechende Möglichkeiten auf gut abgewachsene Beute. Der Jagst-Abschnitt bei Forchtenberg unterscheidet sich kaum von dem in Crailsheim. Auch hier zählen Hecht, Zander, Aal, Karpfen und Schleie zu den begehrten Fischarten. Darüber hinaus wurde vor Jahren versucht, den Wels (Waller) in der Jagst einzubürgern - ohne durchschlagenden Erfolg. Nur selten erbeuten Nachtangler Welse, und dann sind es meist die ausgefuchsten Spezialisten, die Erfolg haben.

Im klaren Wasser feines Geschirr
Eine beliebte Angelstelle befindet sich übrigens an der Mündung des Flüsschens Kupfer in die Jagst. Wie bei allen Einmündungen hat sich auch hier eine Art Gumpen gebildet, in dem besonders im Sommer starke Fische stehen.
Im zeitigen Frühjahr führt die Jagst oftmals Hochwasser, und in den schmutzig-braun getrübten Fluten ist es sehr schwer, die gesuchte Beute zu finden. Ganz anders ist die Situation im Sommer. Von Mai bis Oktober ist das Wasser meist glasklar. Die Fische sind jetzt misstrauischer als bei trüben Wasser. Konsequenz: möglichst feines Geschirr verwenden, das nicht bei jedem Hänger abreißt.
Im Herbst bietet die Jagst gute Fangtage. Selbst im Oktober, manchmal noch später, ist es möglich, Karpfen zu fangen. Aussichtsreich ist bei Hochwasser Spinnangelei auf Barsch, Hecht und Zander.
Kommen wir zu dem aus anglerischer Sicht bekanntesten Ort an der Jagst: Krautheim. Der Name ist Programm: in der Tat wachsen hier überall im Fluss teilweise großflächige Krautbänke und bieten allen Fischarten gute Unterstellmöglichkeiten und Nahrungsquellen.
Die Jagst windet sich wie ein langer Aal durch die Landschaft. Hohe Bäume säumen die Ufer und unter ihren oftmals ins Wasser hineinragenden armdicken Ästen finden besonders Hechte ausgezeichnete Unterstellmöglichkeiten. Spinnangler sollen sich an derartige Stellen anschleichen, vorsichtig einem kleinen bis mittleren Spinner - Silber und Kupfer wird am häufigsten benutzt - die Uferkanten abspinnen. Aber Vorsicht: Ein Hänger - und davon sind viele zu erwarten - verscheucht die Fische. Also unbedingt einen Sicherheitsabstand von zwei bis drei Meter zum Ufer einhalten. Regen und starker Wind aus westlichen Richtungen gelten an der Jagst Übrigens als Hechtwetter.
Die schneller fließenden Passagen über den Krautbänken in der Flussmitte sind die verlässlichen Standplätze der kräftigen Jagst-Barben. Von der Brücke in der Stadtmitte kann man gut beobachten, wie sie die Unterwasserfauna mit kräftigen Kopfbewegungen absuchen. Auch größere Schlammwolken unter der Wasseroberfläche sind ein sicheres Indiz für große Einzelgänger-Barben oder aber kleinere Schulen von mittelgroßen Exemplaren.
Am besten eignen sich Ruten von 4 m Länge sowie ein langer Kescher für die Fischwaid auf Barben, Karpfen und Schlei. Angesichts der stark zugewachsenen Ufer gehört ein längerer Unterfangkescher unbedingt zur Ausrüstung. Als Universalköder gelten Maden. Mit ihnen lassen sich sowohl Karpfen und Schleie als auch Nasen, Döbel und Barben an den Haken bringen. Für Barben gilt neben toten Köderfischchen (Gründlinge) der Tauwurm als besonders fängig, und der wird auch von den zum Teil stark abgewachsenen Barschen geschätzt.

Mit Gouda auf Barben
Auch der weitere Jagstverlauf Über Jagsthausen unter der Autobahn bei der Raststätte Jagsttal hindurch bis Möckmühl gilt als typische Barbenregion. In Jagsthausen ist der Fluss an vielen Stellen nur knapp 50 cm tief, so dass der Angler die Fische leicht orten kann. “Am besten”, so verrät ein Jagsthausener Barbenangler, “versuchen Sie’s auf Barben mit einem würfelzuckergroßen Stück Goudakäse.” Aber zwischen Jagsthausen und Mockmühl dürfte auch ein Tauwurm seine Wirkung nicht verfehlen.
Das Geschirr sollte möglichst fein sein. Einige Jagstangler gehen auf 15er- Vorfächer herunter, setzen sich aber der Gefahr aus, nach jedem Wurf Opfer eines unlösbaren Hängers zu werden. Der Kompromiss: eine Hauptschnur von 25 bis 30 und einem Vorfach von minimal 20er Durchmesser. Nur wer hindernisfreie Stellen befischt, sollte mit der Stärke niedriger gehen.

Comments

  1. Jagstwaller
    Januar 28th, 2010 | 8:02 pm

    Hallo ! Muss zu dem Bericht sagen das er leider nicht mehr ganz so aktuell ist. Der Fischbestand an der Jagst hat sich leider so verändert das Weissfische bis auf Döbel kaum noch vorhanden sind , dadurch ist der Zander fast ganz verschwunden, beim Hecht ist er deutlich reduziert , was sehr stark zugenommen hat ist der Waller . Auch Barsche waren Jahre lang eine Plage heute sind sie nur vereinzelt an die Spinnrute zu bekommen . Was sich nicht verändert hat ist der Karpfen bestand hier sind immer noch gute Fänge über 20 Pfd. möglich .

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