Die Müritz
Im Herzen der Seelenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns, liegt mit 11200 Hektar Wasserfläche das größte Binnengewässer Deutschlands: Die Müritz. Besonders der Raubfischangler kommt hier auf seine Kosten.
Die Müritz, eigentlich ein Fluß, der sch zu einem See verbreitert, besitzt den typischen Charakter der Gewässer der Mecklenburger-Seenplatte: So hügelig wie das Umland ist auch der Gewässergrund. Und genau das ist es, was dem Angler zugute kommt, den die zahlreichen Scharkanten und Braschberge bieten den Fischen ideale Standplätze.
Der See hat eine durchschnittliche Tiefe von 6 m: an der tiefsten Stelle fällt er auf über 30 m ab. Die seichten Uferpartien mit ihren ausgedehnten Gelegegürteln sind für den Angler weniger interessant. Ein 10 km langer Streifen des Ostufers gehört zum Müritz-Naturschutzpark, der nicht befischt werden darf. Fazit: Die Müritz ist ein Gewässer für den Bootsangler.
Viele Bootsvermietungen
In den Ortschaften ist man auf Angler eingerichtet: Überall gubt es Boote zu mieten. Man kann aber auch sein eigenes Boot mitbringen. Bei der großen Wasserfläche empfielt sich ein nicht zu kleines Motorboot mit Sicherheitsausrüstung. Wer schon einmal bei aufkommenden Sturm auf dem Wasser war, der weiss warum.
Der Brotfisch der Müritz ist der Barsch, der ganzjährig gefangen werden kann. Die Hochsaison für den Barschangler beginnt allerdings im August, wenn die Stinte an die Oberfläche kommen. Die Barsche stehen unter den riesigen Stintschwärmen und treiben die Fische an die Oberfläche. Für die Angler sind sie durch die angelockten Möwenschwärme leicht auszumachen. Sieht man also hunderte von Möwen kreischend dicht über der Wasseroberfläche kreisen, dann heißt es: nichts wie hin. Die Barsche stürzen sich dann auf alles, was einem Fisch ähnlich ist.

Problemloses Barschangeln
Die Tiefe der raubenden Fische ist recht einfach herauszufinden, indem der Köder in verschiedenen Tiefen angeboten wird. Geeignet sind kleine helle Pilker zwischen 15 und 30 g oder, falls die Barsche flacher stehen, Mepps-Spinner der Größe 2 bis 3 in sämtlichen Farben.
Die Zeit der Stintschwärme hält etwa bis Ende Oktober an- Anschließend muss man sich anderer Hilfsmittel bedienen, um die Barsche zu finden. Hier empfehlen sich zur Orientierung eine Tiefenkarte und ein Echolot, mit dem sich die Barschberge leicht ausmachen lassen.
Stellt sich nach einiger Zeit an einer Stelle kein Biß ein, sollte man den Standort wechseln. Allerdings gibt es Tage, an denen sich mit Kunstködern einfach nichts zu machen ist. Wer zum Barschangeln fährt, sollte also unbedingt eine Rute mit Laufposenmontage und Maden oder Würmer mit aufs Wasser nehmen.
Angeln mit der “Wippe”
Dieses traditionelle mecklenburgische Angelgerät wird von einheimischen Barschanglern immer noch verwendet. Eine sehr kurze Rute wird an der Bordwand so angebracht, dass sie frei beweglich in der Waagerechten liegt. Ein Biß wird signalisiert, indem sich die Spitze absenkt und das Handteil nach oben wippt. Sollte man sich ein Bott leihen, fragt man den Vermieter danach und probiert es einmal selbst aus. Auch beim Aalangeln lässt sich die Wippe anwenden.
Die durchschnittliche Größe der Barsche liegt bei einem knappen Pfund. Exemplare bis zwei Pfund sind an guten Tagen immer mit dabei. Beste Angelstellen sind, wie schon erwähnt, die Barschberge, also Untiefen mit weniger als 5 m Wassertiefe mitten im See, zum Winter auch die steilen Scharkanten zwischen 10 und 15 m Tiefe. Ein paar Euro für eine Tiefenkarte zu investieren erspart zeitaufwendiges Suchen. Übrigens sind die Barschberge und Kanten auch die richtigen Angelstellen, wenn man auf einen Hecht aus ist. Hechte gibt es hier reichlich. Die Müritz ist wurde für den Hechtangler in der Vergangenheit immer populärer, da sich die Stückgewichte jenseits der 20-Pfund-Marke häufen. Der wachsende Hechtbestand hängt offenbar zusammen mit der immer besser gewordenen Wasserqualität. Als die Abwasser der Stadt Waren noch bedenkenlos in die Müritz geleitet wurden, hatte diese starke Eutrophierung und getrübtes Wasser zur Folge. Zwar wirkte sich das positiv auf den Zanderbestand aus, doch die Hechtpopulation ging zurück. Nach Umstellung des Abwassersystems der Stadt Waren ließ der Algenwuchs nach und das Wasser wurde deutlich klarer. Der Müritz-Zander hat sich seit dem rar gemacht; sein Platz hat nun der hecht eingenommen.
Zu Saisonbeginn von Mai bis Juni hält der Hecht sich mit Vorliebein den flacheren regionen auf. Später verlässt er die Berge und stellt an den Scharkanten den Maränenschwärmen nach, die in tiefergelegenen Wasserschichten durch den See ziehen.

Dementsprechend sind die Köder zu wählen. Dem Spinnangler sind anfangs Wobbler und große Spinner zu empfehlen, später im Jahr tieflaufende Köder, schwere Löffel oder Bleikopfspinner. Auch den toten Köderfisch sollte man nicht ausser Acht lassen.
Wie in allen Gewässern von Mecklenburg-Vorpommern ist auch in der Müritz das Schleppangeln seit jeher verboten.
Die Aale in der Müritz sind ebenfalls eine anglerische Herausforderung. Sie werden überwiegen im südöstlichen Teil des Sees, etwa auf Höhe der Ortschaft Ludorf, gefangen. Gelegentlich hat man auch einen schönen Spitzkopf als willkommenen Beifang beim Barschangeln.
Wer hier im Winter fischt, sollte es im Hafen von Waren oder in der verbindung von Binnen und Außenmüritz (im Norden) auf Quappen versuchen. Am besten, man angelt da, wo die Einheimischen stehen. Ein Wurmbündel mit dem Grundblei angeboten ist die übliche Fangmethode.
Kommentare(2)
Viele Raubfischangler nutzen u.a. den Touristenfischereischein um an der Mecklenburgischen Seenplatte ihrem Hobby zu frönen. Mit der Angel im Kofferraum reisen die Feriengäste von einem See zum anderen. Die Auswahl des richtigen Angelgewässers scheint unermeßlich, denn in Mecklenburg gibt es ca. 2000 Seen, die zum Angeln einladen.
Meine Erfahrung aus dem Juni 2008: Das Schleppangeln ist an folgenden, im Zuständigkeitsbereich der Fischerei Müritz-Plau GmbH (“Die Müritzfischer”) befindlichen Gewässern erlaubt: Müritz, Plauer See, Koelpinsee, Fleesensee, Feissnecksee und Tollensesee.
Teilweise bestehen allerdings zeitliche Einschränkungen.
Voraussetzung ist neben dem Erwerb der Angelkarte zusätzlich die sog. Schleppangelkarte, die ich im Juni 2008 für € 20,00 p. Woche gegen Vorlage des Jahres- fischereischeines erwerben konnte.
Es ist allerdings richtig, dass nach wie vor in einer Vielzahl von Gewässern der Mecklenburgischen Seenplatte nicht geschleppt werden darf.