Mit Kunst-Köder auf Hecht

Viele Angler wissen gar nicht, wie erfolgreich sich mit der Spinnangel Hechte fangen lassen. Veraltete Vorstellungen halten sich hartnäckig. Zwar stimmt es, dass mit Spinnködern gefangene Fische im Durchschnitt kleiner sind als andere. Andererseits fängt man auch viele große Fische mit der Spinnangel und man fängt damit vor allem mehr Fische. So wurden vor einiger Zeit in Deutschland vier der fünf größten Hechte in einer Saison mit künstlichen Ködern gefangen! Und wenn auch die Spinnangelei im Sommer und Herbst sicher am erfolgreichsten ist, bringt sie selbst im Winter gute Ergebnisse.
Zum Uferangeln eignet sich eine Rute von ca. 2,70 m Länge. Damit lassen sich zwei Probleme des Hechtangelns – was die Länge der Rute betrifft – miteinander vereinen: Einerseits gehören Schilf und Binsen nun einmal zum Wasser dazu; die Rute sollte also schon 2,70 m lang sein, damit man den Uferbewuchs überbrücken kann. Andererseits erfordern überhängende Bäume eine kurze Rute, die sich nicht so leicht im Astwerk verfängt.

Die richtige Rute

Zum Bootsangeln oder für kurze Würfe an kleinen Bächen ist eine Rute von 1,80 m Länge oft ideal. Kohlefaserruten sind nicht schwer und lassen sich leicht transportieren. Aber auch Teleskopruten mit fertig montierter Rolle und Schnur sind praktisch.
Man benötigt keine kräftige Rute wie für das Angeln mit totem Köderfisch. Auch eine durchgehende Aktion ist oft nicht erforderlich. Eine relativ steife Rute mit einer Spitzenaktion und einer Testkurve von I 3/4-2 lb ist hervorragend.
Das Angebot an Stationärrollen ist mittlerweile kaum noch zu überschauen. Auf schwere Rollen kann man getrost verzichten – ein Schnurfassungsvermögen von 100 m von einer Leine, die 6,8 kg (ca. 0.33 mm) trägt, reicht aus.
Das Fischen mit Multirollen ist reinstes Vergnügen – man kann mit ihnen zwar nicht so weit werfen wie mit Stationärrollen, dafür sind sie präziser. Die Bedienung der Multirolle ist einfach, und jeder halbwegs begabte Angler hat nach einer halben Stunde den Dreh heraus.
Rechtshänder, die folglich ihre Rute beim Drill mit der rechten Hand halten möchten, sollten sich eine Multirolle mit einer Linkskurbel kaufen. Rechtshänder werfen nun einmal mit der rechten Hand besser und zielgenauer – man kann nicht mit derselben Hand die Rute halten und kurbeln!

Vorteil der Multirolle

Einer der großen Vorteile der Multirolle besteht darin, dass man bereits beim Auftreffen des Spinnköders auf die Wasseroberfläche voll in Aktion ist, sich also von Anfang an völlig konzentrieren kann. Viele Hechte greifen in der gleichen Sekunde zu, in der der Spinner auf das Wasser auftrifft – man muss also wachsam sein. Schnüre für das Spinnfischen haben gewöhnlich zwischen 4,5 und 6,8 kg Tragkraft (um 0,30 mm). Stahlvorfächer sollten mindestens 30 cm lang sein. Auf Stahlvorfächer von 15 cm Länge sollte man tunlichst verzichten: Hechte von 7 kg aufwärts können den Spinner samt Vorfach schlucken. Von den im Handel angebotenen Vorfachdrähten eignen sich die weicheren, biegsameren Ausführungen: dünnes Drahtmaterial ist häufig ein wenig steif.
Bei Drahtvorfächern sollte man auf die etwas teureren Ausführungen zurückgreifen. Besonders Stahlvorfächer aus den multifilen Drähten haben sich bewährt, und auch die Tragkraftangaben stimmen.

Sonderzubehör

Beim Spinnfischen kann das Verdrehen der Schnur manchmal zum Problem werden, besonders beim Fischen mit Achsenlöffeln (Spinner von “Mepps”). Meist sind die durchsichtigen Anti-Drall-Plättchen jedoch Überflüssig. Wer häufig Achsenlöffel benutzt, kann am Vorfachende ein Wye-Blei einsetzen. Damit lässt sich Schnurdrall wirkungsvoll begegnen, und als Bonus bekommt man zusätzlich Wurfgewicht.
Ein richtiger Hechtspinnangler zieht niemals ohne Unterfangkescher los. Am besten eignen sich Rundnetze von ca. 75 cm Durchmesser. Feinmaschige Kescher sind weniger empfehlenswert: Die Haken können sich in ihnen zu leicht verfangen. Man ist dann unter Umständen eine halbe Stunde lang damit beschäftigt sie wieder zu entflechten – keine schönen Aussichten für den Fisch. Am besten, man benutzt ein weiches, nicht geknotetes Netz mit einer Maschenweite von 12-25 mm.
Unverzichtbar ist auch ein Rucksack. in dem eine Thermoskanne, Essen und warme Kleidung Platz finden, im Winter natürlich auch Handschuhe.
Die richtigen Gerätschaften sind für Hechtspinofischen das A und O. Das eigentliche Auswerfen und Einholen ist das geringste Problem. Dennoch gilt es dabei einiges zu beachten.
Zuerst muss man überlegen, wo der Hecht stehen könnte und dann auswerfen. Die Wahl des richtigen Spinnköders hängt sehr von Jahreszeit und Angelstelle ab. Oft ist die eigene Erfahrung der beste Ratgeber. Man sollte sich Gedanken machen über die Sichtverhältnisse im Wasser, über mögliche Hänger. Pflanzenwuchs und wahrscheinliche Standtiefe der Hechte.
Die verschiedenen Spinnköder verhalten sich beim Einholen sehr unterschiedlich – ein Spinner hat ein kleines, rotierendes Blatt. ein Löffel taumelt beim Einholen, hat jedoch kein Blatt und ein Wobbler verhält sich beim Einholen mal so und mal so. Um herauszufinden, welche Ausführung, Größe und Farbe für den jeweiligen Fall die beste Kombination ergeben, empfiehlt es sich, den Köder häufig zu wechseln. Grundsätzlich sollte man stets gleichmäßig und langsam einholen und im Winter den Spinnköder möglichst tief führen. Im Sommer lohnen sich auch an der Oberfläche geführte Spinnköder und häufiges Wechseln der Spinntiefe. Bleibt gleichmäßiges Einholen ohne Erfolg, kann man auch einmal einen etwas eigenwilligeren Einholstil ausprobieren.

Erfolg an “unmöglichen” Stellen

Oftmals sind gerade jene Stellen einen Versuch wert, die nie ausprobiert wurden – nicht selten lauern dort große Fische. Mit Buzzern, die nur einen Einzelhaken aufweisen, kann man auch zwischen Bäumen und Seerosen fischen. Glaubt man einen Standplatz eines guten Fisches ausgemacht zu haben, sollte man erst ein halbes Dutzend Würfe in der näheren Umgebung ausführen – nicht zu nahe am eigentlichen Standplatz. Der Hecht hört das ständige Einklatschen des Spinners und wird dieser dann in seiner unmittelbaren Nähe eingeworfen, ist er schon neugierig und wartet nur noch darauf zuzuschnappen.
Die Devise lautet kurz gesagt: erst denken, dann handeln: immer mobil und flexibel sein. Und vor allem: die Spinnangel nur dann auspacken, wenn der Hecht mit Wahrscheinlichkeit auf Futtersuche ist, nicht wenn alle anderen Methoden versagt haben.

Comments

  1. November 22nd, 2008 | 1:59 am

    Der letzte Tipp ist der Beste. Immer was anderes machen als die anderen. Andere Stellen, andere Köder (Farben, Größe etc). So haben wir Anfang November gleich 13 Zander gelandet, obwohl seit Wochen keiner mehr einen großen Fang an diesem Gewässer gemeldet hat.

Hinterlasse einen Kommentar

14 queries. 0,207 seconds.