Was die Maulform eines Fisches verrät
Wer sich das Maul eines Fisches näher ansieht, kann an der Form feststellen, ob ein Fisch seine Nahrung am Grund sucht, ob er mittlere Wassertiefen bevorzugt oder an der Oberfläche frisst. So kann der Angler den Köder an der richtigen Stelle platzieren.
Ein Blick auf das Fischmaul genügt oft schon, um einiges über die Fress- und Lebensgewohnheiten eines Fisches aussagen zu können. Der Winkel, in dem der Mund zum Kopf steht, das Vorhandensein von Barteln an den Lippen, Form und Anzahl der Zähne, ja selbst die Größe des Mauls gibt Aufschluss über die Fressgewohnheiten und die bevorzugte Nahrung des Fisches. All dies liefert dem Angler die nötigen Hinweise, damit er seinen Köder erfolgreich an den Fisch bringen kann.
Oberfläche oder Boden
Die Anatomie beschränkt die Fische bei ihrer Futtersuche nicht so stark, wie man vielleicht aufgrund der sehr unterschiedlichen Formen annehmen möchte. Die meisten Fische können sich auf verschiedene Ernährungsweisen einstellen, falls einmal die bevorzugte Nahrung knapp wird oder ganz ausbleibt.
Mehrzweckmäuler: Karpfen fressen überwiegend am Grund – das Karpfenmaul ist der Nahrungssuche bestens angepasst. Mit seinen beiden Bartelpaaren und den vorstülpbaren Kiefern sucht der Karpfen nach Nahrung und saugt sie dann ein. Als Angler weiß man, dass Karpfen auch im mittleren Wasser den Köder nehmen und sogar an die Oberfläche kommen, um nach Brot und anderen Treibködern zu schnappen.
Das Rotauge frisst am Grund und im mittleren Wasser und ist ebenfalls anpassungsfähig. Seine Nahrung besteht aus kleinen, freischwimmenden Krebstierchen; manchmal nimmt das Rotauge Futter auch an der Wasseroberfläche auf. Anders als der Karpfen kann es sein Maul mit der engen, leicht schräg nach oben gerichteten Maulspalte (endspaltiges Maul) nicht vorstülpen, auch hat es keine Barteln.
Kopf runter – Schwanz hoch: Der Brassen ist schon stärker auf die Nahrungssuche am Fluss- oder Seegrund spezialisiert, kann jedoch auch im mittleren Wasser nach Futter suchen. Sein Maul lässt sich wie eine dicke Röhre ausfahren, um Zuckmückenlarven, Schnecken und Muscheln aus dem Schlamm aufzusaugen. Auf diese Weise arbeiten sich Brassenschwärme am Grund entlang, wobei die Köpfe unten bleiben und die Schwänze im flachen Wasser unter der Oberfläche spielen. Selbst die Körperform mit der langen, gut ausgebildeten Afterflosse und der Schwanzflosse mit der etwas längeren unteren Hälfte unterstützt diese Fressstellung: Mit normalen Schwimmbewegungen wird der Kopf zum Grund gedrückt.
Die Schleie frisst ebenfalls fast ausschließlich am Grund. Ihre Oberlippe ist länger als die Unterlippe und ermöglicht ihr das Gründeln nach Zuckmücken und anderen Insektenlarven.
Oberflächenfresser: Fische, die überwiegend an der Oberfläche nach Nahrung suchen, sind selten. Der Laube hat ein stark oberständiges Maul mit ganz vorne sitzenden Lippen – ein großer Vorteil bei der Aufnahme von Krebstierchen und Insekten an der Oberfläche. Die Rotfeder besitzt ein leicht oberständiges Maul mit vorstehender Unterlippe, was ihr das Einsaugen treibender Insekten ermöglicht.
Der Hasel frisst zwar an der Oberfläche, doch sein Maul befindet sich an der äußersten Körperspitze. Er jagt Insekten an der Oberfläche mit gehobenem Kopf und tiefliegendem Schwanz – dabei verbraucht er vermutlich mehr Energie als Laube oder Rotfeder mit oberständigem Maul. Dafür kann er auch im mittleren Wasser und am Grund nach Nahrung suchen.
Barteln: Mit diesen hochempfindlichen Organen sucht der Fisch seine Nahrung am Grund. Sie befinden sich zusammen mit dem Maul an der Kopfunterseite. Gründling (zwei Barteln) und Barbe (vier Barteln) sind leicht als Grundfische zu bestimmen. Große Barben haben dicke, fleischige Lippen, die dicht besetzt sind mit Geschmackszellen. Mit ihnen untersucht der Barbe Nahrung (oder Angelködet”), bevor er sieh entscheidet, den Happen ins Maul zu nehmen.
Tote Beute: Auch der Wels besitzt Barteln. Das obere, gleich vor den Augen befindliche Paar ist extrem lang und kann Nahrung erkennen, die noch ein gutes Stück entfernt ist. Der Wels hat ein weites, riesiges Maul, mit dem er große Nahrungsbrocken vom Grund aufnimmt.
Der Aal lebt als Raubfisch, der tote Beute keineswegs verschmäht, ebenfalls am Grund. Er hat zwar keine Barteln, aber einen ungemein hochentwickelten Geruchssinn. Auch das Aalmaul ist groß, und seine Kiefern sind mit dichten Bürstenzähnen ausgestattet.
Raubfische: Fischfressende Räuber – allen voran Hecht und Zander – sind natürlich für die Jagd nach kleineren Fischen bestens ausgerüstet. Beide Arten haben lange, mit Zähnen besetzte Kiefern, die sich weit Öffnen lassen, um Beutestücke festzuhalten.